Femme

(c) Agile Films.

Der queere Revenge-Thriller, mit dem Fernsehautor Sam H. Freeman und Theaterregisseur Ng Choon Ping ein imposantes Spielfilmdebüt abliefern, besticht als Highlight im Programm der diesjährigen Berlinale. Zwei Jahre nach dem gleichnamigen, BAFTA-nominierten Kurzfilm feierte die Langfilmfassung ihre Weltpremiere in der Panorama-Sektion der 73. Berlinale.

Jules (Nathan Stewart-Jarrett) hat sich mit seinen glamourösen Auftritten als Aphrodite Banks in der Londoner Clubszene einen Namen als Drag-Künstler gemacht. Eines Abends will er nach der Show nur kurz im Laden um die Ecke Zigaretten holen. Noch immer in Perücke, Make-up und High Heels, gerät er wegen eines schlagfertigen Spruchs unversehens in eine Auseinandersetzung mit einem Typen und seiner Macho-Clique, die ihn auf der Straße brutal zusammenschlagen und demütigen. Nach dem traumatisierenden Vorfall fühlt Jules sich nicht mehr in der Lage, als Drag-Queen aufzutreten, und zieht sich in die Isolation zurück. Als er nach einigen Monaten in einem Saunaclub zufällig seinen Angreifer von damals trifft und realisiert, dass dieser ihn ohne Drag-Aufmachung nicht wiedererkennt, ergreift er die einmalige Chance, die sich ihm bietet. Er beginnt eine Affäre mit dem latent homosexuellen Preston (George MacKay), um sich statt mit physischer Gewalt mit den vernichtenden Methoden einer Femme fatale an ihm zu rächen.

  • (c) Agile Films.

Eingebettet in eine originelle Revenge-Story liefert der stimmungsvoll und stilsicher in Szene gesetzte Thriller, in dessen Neo-Noir-Ästhetik sich die Einflüsse von Vorbildern wie Nicolas Winding Refn oder den Safdie Brüdern abzeichnen, eine Reflektion über die Dynamik von Machtverhältnissen, die sich Stück für Stück umkehren, je weiter Jules die emotionale Kontrolle gewinnt und Prestons Fassade toxischer Männlichkeit abreißt. Der exzellenten Arbeit von Kameramann James Rhodes ist zu verdanken, dass mittels Nahaufnahmen und Handkameras ein kontinuierlicher Eindruck von Nähe zum Geschehen entsteht. Nicht zuletzt durch das nuancierte Spiel der beiden überragenden Hauptdarsteller Nathan Stewart-Jarrett und George MacKay entfaltet sich ein eindringliches, vielschichtiges Psychogramm.

Über die beeindruckende Inszenierung hinaus gelingt es den Filmemachern, mit der Einführung einer queeren Hauptfigur die gängigen Stereotypen des Genres aufzubrechen. Freeman und Ping führten beim Q&A nach der Vorstellung ganz persönliche Gründe für diese Entscheidung an: Als Teil der LGBTIQ-Community haben sie sich selbst im Genrekino und den Filmen, die sie lieben, die aber fast ausschließlich eine heteronormative Weltanschauung transportieren, oftmals unterrepräsentiert und ausgeschlossen gefühlt. In Form einer mitreißenden Geschichte über Angst und Trauma in einer zutiefst gespaltenen Gesellschaft, in der Gewalt gegen homosexuelle und trans* Personen ein erschütternd aktuelles Thema ist, leistet FEMME einen unbedingt sehenswerten Beitrag zur Schließung dieser Lücke.

Teaser Trailer

FEMME (UK 2023)
Regie: Sam H. Freeman & Ng Choon Ping
Drehbuch: Sam H. Freeman & Ng Choon Ping
Kamera: James Rhodes
Musik: Adam Janota Bzowski
Produktion: Agile Films, Anton, BBC
Producer: Myles Payne, Sam Ritzenberg
Fotos: © Agile FIlms
Weiterführende Links: IMDB / Agile Films / Berlinale

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